Bianca James: Ein Aufsatz über das Girlfag-Dasein

Übersetzung von midian! DANKE!
Englischer Originaltext unten. Original english text below.

Thanks to Bianca James!


Ein Freund bat mich, einen Aufsatz für ein Handbuch über „coming out“ in Japan zu schreiben (die letzten paar Jahre lebte ich dort), und zuerst habe ich gezögert, da ich mir Sorgen machte, dass ich missverstanden werde, wie schon so viele Male zuvor… Aber dann sagt ich FUCK IT. Hier ist nun also mein Aufsatz über mein coming out als GirlFag. Ich bin mir sicher, dass Dinge darin vorkommen, die manche Leute abstoßend finden, aus dem einfachen Grund, dass das Schreiben über Sex und Gender lauter Gefahren in sich birgt, aber behalten Sie im Hinterkopf, dass nichts in diesem Aufsatz eine aufrührerische Absicht verfolgt, mit der Ausnahme des Kommentars über meine Ex-Freundin, die dies hier hoffentlich niemals lesen wird. Bitte veröffentlichen Sie diese Schrift nirgends ohne Erlaubnis. Danke!

Alle Namen wurden zum Schutz Dritter geändert.

Im Sommer 2002 lebte ich zuhause, kam über die Runden indem ich zwei Tage die Woche bei einer korrupten Agentur für Vertretungen arbeitete, und war in eine extrem dysfunktionale menage à trois mit einem Jungen und einem Mädchen verstrickt. Nein, ich war keiner dieser Bisexuellen, die was mit einem Mann und einer Frau haben müssen um sich sexuell erfüllt zu fühlen, aber Lucy war eine Bekannte, die sehr früh sehr deutlich gemacht hatte, dass wenn ich mit ihrem Liebhaber ausgehen wollte, ich auch mit ihr ausgehen musste. Als ich mir die unangenehme Wahrheit eingestand, dass ich an Lucy einfach nicht sexuell interessiert war, nahmen die Dinge eine schlimme Wendung. „Vielleicht stehst du gar nicht wirklich auf Mädchen,“ sagte sie gehässig zu mir, als ich mich von ihr trennte. Vielleicht stand ich auch einfach nicht auf unsichere Kletten, die sexuelle Partner sammeln, um ihre zerbrechlichen Egos aufzupolstern.

Auf der anderen Seite war es nicht so, als ob ich eine wirklich tolle Erfolgsgeschichte zu verzeichnen hätte, was meine lesbischen Beziehungen anging: meine erste Liebe war eine Ex-Drogenabhängige, die mich sitzenließ, um ein anderes Mädchen auf den Prom zu begleiten. Meine Lesben-Jungfräulichkeit verlor ich an eine Frau, die zu mir sagte, als wir auf ihrer Veranda kuschelten: „Du hättest nicht zu mir nach Hause kommen sollen. Deines Wissens nach könnte ich eine Axtmörderin sein!“ Der Großteil meiner lesbischen sexuellen Erfahrungen bestand aus betrunkenen Begegnungen mit experimentierfreudigen heterosexuellen Mädchen. Zehn Jahre nachdem ich mich als bisexuell geoutet hatte, begann ich erneut meine Sexualität infrage zu stellen. Mit Männern schien es so viel einfacher zu sein, auch wenn es eine Herausforderung war meine männlichen Partner zu überzeugen mich sie in den Hintern ficken zu lassen. Vielleicht hatte Lucy doch recht, vielleicht stand ich doch nicht so sehr auf Mädchen, wie ich dachte.

Und dann, wie der sprichwörtliche Ritter in der schimmernden Rüstung, rief mich das JET Programm1 eines Nachmittags an und bot mir einen Ausweg. Ich hatte drei Monate auf ihrer Warteliste verbracht und hatte nie mit dem schicksalhaften Anruf „können Sie in zwei Wochen nach Japan kommen?“ gerechnet. Sie wussten noch nicht einmal, wo ich hinversetzt werden sollte, aber das war mir egal. An diesem Nachmittag kaufte ich mir einen Geschäftsanzug, verführt von der Aussicht auf einen geregelten Gehaltsscheck und auf einen frischen, Drama-freien Start ins Leben.

Als ich meinen Schmuck mit den Stacheln und meine Netzstrümpfe gegen eine Feinstrumpfhose und Perlen eintauschte (obwohl es in Wirklichkeit nur einen Monat dauerte, bevor ich anfing Flip Flops und Jeans zu meinem relativ lockeren CIR2 Job zu tragen), gab es da noch etwas anderes, dass ich bereit war aufzugeben: meine queere Identität. Da ich während meines einjährigen Aufenthaltes als Studentin in Waseda die klar abgetrennte und nach Geschlechtern sortierte Schwulen- und Lesbenszene Tokios gut beobachten konnte, hatte ich keinerlei Illusionen über Japan als ein Mekka für Schwule und Lesben. Yukio Mishima3 und homoerotische Rockstars waren die Ausnahme und nicht die Regel. Und mir war klar, dass ich durch meine Entscheidung bei JET mitzumachen, mich gleichzeitig für ein Jahr Heterosexualität-mangels-Alternative entschied, besonders wenn ich in einer ländlichen Gegend landete. Und nach meiner katastrophalen Beziehung mit Lucy war mir das gerade recht.

Zu meiner eigenen Verteidigung muss ich sagen, dass ich nie einer dieser leichtlebigen Mode-Bisexuellen war, die es von heut auf morgen je nach Bedarf an- und abstellen. Seit zehn Jahren war ich eine laute und stolze Aktivistin, die ihre Flagge mit dem pinken und blauen Dreieck4 vor der Nase jener reinen Homosexuellen herumwedelte, die es wagten mir zu unterstellen, dass ich “auf dem regenbogenfarbenen Dildo zwischen den Stühlen“ sitzen würde (“straddling the rainbow dildo fence”, wie ein unsensibler schwuler Bekannter die Bisexualität in einem Gedicht beschrieb). Ich war zwei Jahre lang eine hingebungsvolle Mitarbeiterin des Queer Centers meines Colleges, ich habe Geld gesammelt um Patrick Califia5 dazu zu bringen in einem Zimmer voll privilegierter College Kids über „transgendered activism“ zu sprechen. Auf dem jährlichen Fencesitters Ball6 machte mit Mädchen UND Jungs rum und ich durchlitt einen seltsamen asymmetrischen Sonnenbrand nachdem ich in einem Korsett und Engelsflügeln mit der Anything That Moves7 Abteilung auf der San Francisco Pride Parade marschiert bin.

Und dennoch fühlte sich etwas falsch an. Ich spürte es jedes Mal wenn ich auf einer queeren Veranstaltung war und geschlechtsneutrale Pronomen verwendete, wenn ich über meinen Freund sprach. Ich hatte allen meinen heterosexuellen Freunden von meiner Bisexualität erzählt, aber innerhalb der queeren Gemeinschaft fühlte ich mich immer als ob ich mich nicht geoutet hätte. Was um alles in der Welt stimmte mit mir nicht? Ich fühlte mich so queer, aber ich mochte Jungs. Nein, es war nicht das Problem, dass ich Jungs mochte, sondern die Tatsache, dass ich Jungs so sehr mochte, dass ich einer von ihnen sein wollte. In den Augen der meisten Leute bedeutet eine Frau und homosexuell zu sein automatisch, dass man eine Lesbe, oder zumindest eine bisexuelle Lesbe ist. Die Wahrheit aber war, dass ich gar keine Lesbe sein wollte.

Ich wollte ein schwuler Mann sein.

Ich verehrte schwule Männer. Es war nicht genug eine fag hag zu sein, ich wollte selbst ein schwuler Mann sein, und ich übernahm den Begriff „fagette“ um meine verzerrte Sexualität zu beschreiben. Ich identifizierte mich mehr mit schwulen Männer als ich mich jemals mit Lesben identifiziert hatte: (machen Sie sich bereit für eine nun folgende massive und potentiell anstoßende Verallgemeinerung) schwule Männer hatten Sex mit wem sie wollten, wann sie wollten, ohne dass ihnen folk music und stundenlange Verarbeitung emotionaler Angelegenheiten in die Quere kamen. Schwule Männer rochen gut, waren gepflegt, intelligent, und zogen Einkaufen und das Einrichten von Zimmer dem Michigan’s Womyn Festival8 und potlucks9 vor. Ich erkannte, dass meine queere Identität weniger von einer Anziehung zu lesbischen Frauen herrührte, sondern vielmehr von einer Anziehung zu schwulen Männern. Im Zusammenhang meiner vergangenen Erfahrungen gesehen, ergibt es alles einen Sinn: alle meiner männlichen Liebhaber waren vom Typ her schlaksige, langhaarige Bücherwürmer. Ich kann mich daran erinnern, dass ich meinem ersten bisexuellen Freund gestand, dass ich mich so zu Männer hingezogen fühlte, wie es ein Mann tun würde, und nicht in der Art einer heterosexuellen Frau. Ich hatte ein Abo der XY – eine Zeitschrift für jugendliche Schwule, und habe sogar einmal ein Bild von mir als Junge eingeschickt, in der Hoffnung, dass ich für ihre Leserfotoseite ausgewählt würde (ich wurde nicht gewählt – ich war ein hässlicher Junge). Aber es gab da ein großes Problem – egal wie sehr ich auf schwule Männer stand, war ich doch biologisch weiblich, und zwar sehr, und ich hatte meine Zweifel, ob eine Geschlechtsumwandlung (gender re-assignment surgery) wirklich die Lösung meines Problems bedeuten würde. So sehr ich auch männliche Körper beneidete, fühlte ich mich als Mädchen nicht unwohl. Ich konnte immer versuchen heterosexuell zu sein, aber es ist einfach eine Tatsache, dass die meisten heterosexuellen Männer Angst vor Mädchen haben, die einen umgeschnallten Dildo unter ihrem Minirock verstecken, und heterosexuelle Männer, mit ihrem Bier und ihrem Football und ihrer Ehre machten mich nicht an.

Genug der Überleitung. Wie passt das jetzt alles mit Japan zusammen?

Nach Japan zu ziehen war in mancherlei Hinsicht eine strategische Flucht vor meiner Gender-Angst, aber es hatte auch Vorteile. Ich hatte das Glück, dass ich in eine Metropole versetzt wurde, in der es Haarschnitte für 200 $ und einen exzellenten Modegeschmack gab. Und das Beste war: sie mochten Mädchen! (Zumindest in der Theorie.) Konnte es sein, dass ich gegen das System gehen und auf mehreren Hochzeiten tanzen konnte?

Dummerweise war dieser göttliche Plan auf mehreren Ebenen fehlerhaft. Erstens: diese Metrosexuellen hatten eine sehr kurze Haltbarkeitsdauer. Mit 25 Jahren waren die meisten von ihnen eingesaugt in einem Leben voll billiger Polyesteranzüge, Überstunden und Alkoholismus als langweilige Büroangestellte irgendeiner japanischen Firma, was nun wirklich nicht sehr sexy war. Zweitens: der Großteil dieser Männer waren an 45 Kilo leichte japanische Mädchen gewöhnt, die ihre Zähne verstecken, wenn sie kichern, und hatten daher Angst vor vorlauten, fremden Frauen mit großen Hintern. Drittens: obwohl diese Jungs eine ansprechende androgyne Fassade pflegten, verbarg sich bei den meisten dahinter immer noch die Persönlichkeit von heterosexuellen Jungs, voll sexistischem Bullshit, und sie erwarteten von ihren Freundinnen, dass sie Tee für sie kochten und beim Sex die passive Rolle einnahmen. Dies versetzte meinen Fantasien einen Dämpfer.

Ich gönnte mir hin und wieder kurze Liebesabenteuer mit japanischen Männern, aber die meiste Zeit war ich single. Ich verbrachte einen Großteil meiner Zeit alleine mit meinen Gedanken. Ich schrieb ein Buch, in dem der Protagonist ein androgyner Achtzehnjähriger war, der sich selbst für heterosexuell hielt, obwohl seine einzige sexuelle Erfahrung mit einem Mann gewesen war. Das Buch fokussierte auf seine Freundschaft, und später Liebschaft, mit seiner besten Freundin, die eine Lesbe war. Diese Figur repräsentierte gleichzeitig mein Alter Ego und mein maskulines Ideal. Es war meine Absicht gewesen eine queere Version des Junge-trifft-Mädchen Schemas zu kreieren.

Fast zwei Jahre lang war ich von jeglicher Art von queerer Szene isoliert gewesen, als ich in 2004 als ein Tokyo Orientation Assistant dem Stonewall Japan Treffen beiwohnte. Ich war überrascht wie gut es sich anfühlte wieder von einer queeren Gemeinschaft umgeben zu sein. Da ich die einzige Frau war, die sich im schwulen Ghetto von Shinjuku Nichome10 auskannte, meldete ich mich freiwillig dazu, die weiblichen Neuankömmlinge zu Kinswomyn, Tokios berühmtester Lesbenbar, zu führen. Und dann meldete sich plötzlich meine Angst. Umgeben von Lesben wie sie im Buche stehen, die damit prahlten, dass sie „noch nie in ihrem Leben einen Schwanz angefasst haben“, fühlte ich mich plötzlich sehr unsicher. Ich hatte nicht nur Dutzende von Schwänzen angefasst, ich hatte Penisneid! Es spielte keine Rolle, dass ich früher mit Mädchen ausgegangen war – ich fühlte mich in der lesbischen Szene furchtbar fehl am Platz, keine echte Lesbe, keine Vorzeigeheterosexuelle, sondern etwas komplett anderes. Meine Gender Dysphorie kam wieder zum Vorschein. Wenn die schwulen Bars in Shinjuku Personen mit einem weiblichen Körper den Eintritt verwehrten, wo um alles in der Welt gehörte ich dann hin?

In den Wochen nach dem Lesbenbardesaster fing ich an mich zu fragen, ob ich vielleicht wirklich transsexuell war. Ich war die unwahrscheinlichste Kandidatin um zum „future female to male transsexual“ (zukünftige Frau-zu-Mann Transsexuelle) meines Highschool Jahrbuchs gewählt zu werden (diese Ehre wurde dem Mädchen zuteil, dass ich als erstes geküsst hatte, und die seitdem eine Brust-OP hatte und ihren Namen in Bob ändern ließ). Seien wir doch mal ehrlich, ich war so femme, dass man mich in einer guten Nacht für eine drag queen halten konnte, mit meinen falschen Wimpern, dem platinblonden Haar und dem neonpinken Lippenstift… Einen Moment mal – vielleicht BIN ich eine drag queen? Ich merke, wie ich einen Victor Victoria11 Komplex bekomme…

Ich machte mir Sorgen, dass man mich nicht ernstnehmen würde, wenn ich mich als femme FTM (female to male) outen würde. Auch wenn ich mich manchmal wie ich Kerl fühlte, so doch wie ein mädchenhafter Kerl, und nicht wie ein Macho. Die meisten FTMs die ich getroffen habe, hatten große Muskeln und Gesichtshaar um so männlich wie möglich auszusehen. Die Männer, zu denen ich mich hingezogen fühlte, trugen Röcke und Eyeliner, warum konnte ich das dann nicht auch? Und es blieb immer noch die Tatsache, dass, selbst wenn ich mein Geschlecht ändern würde, es keine Garantie gab, dass ich in der schwulen Gemeinschaft als ein ebenbürtiger Mann akzeptiert würde.

Ich versuchte mit ein paar meiner Freunde über meine Gender Dysphorie zu sprechen, und fühlte mich danach verwirrter als zuvor. Es viel mir sehr schwer jemandem zu erklären, wie ich fühlte, da ich es selbst nicht verstand. Meine Gender Identität war so nuanciert und surreal wie ein Gemälde von Dali und es gab keine eindeutige Schublade, in die das, was ich fühlte, passte. Ich fühlte mich furchtbar verletzlich und unsicher nachdem mich eine heterosexuelle Freundin gleichgültig gefragt hatte: “Warum spielt es überhaupt eine Rolle?”, und eine lesbische Freundin mir als Erklärung vorschlug, dass mein Verlangen männlich zu sein auf den stereotypischen Vorstellungen, was es bedeutet ein schwuler Mann zu sein, beruhte. Diese Arten der Reaktion verstärkten mein Gefühl der Ausgeschlossenheit und des Missverstandenseins nur noch.

Aber glücklicherweise hatte ich Freunde, die mich verstanden. Interessanterweise waren meine schwulen Freunde manchmal die einzigen, die mich anhörten, und die mir eine positive Rückmeldung gaben. Eine meiner besten Freunde von zuhause, eine maskuline, bisexuelle boi-dyke, hatte sich mit einem bisexuellen Mann verlobt, der sich auch als eine maskuline Lesbe im männlichen Körper fühlte. Er war bei einer vorgeblich „Transen-freundlichen“ Frauenveranstaltung rausgeworfen worden, da er als „zu männlich“ schien. Schwule Männer flirteten mit ihrem „wifedaddy“ (wie meine Freundin ihn nannte) direkt vor ihrer Nase, in der Annahme, dass sie eine Lesbe war, und machten gehässige Bemerkungen, wenn sie klarstellte, dass sie sein Partner war. Es schockierte mich, wie die queere Gemeinschaft, die auf der Basis des geteilten Leides der gemeinsam erfahrenen Unterdrückung gegründet worden war, so schnell diejenigen ausschloss, die nicht in die schmale Schublade der Definition von „queer“ passten

Meine Freundin von zuhause definierte sich selbst als “Gender fluid”, ein Begriff, der die Möglichkeit beinhaltete, sowohl männliche als auch weibliche Züge auszuleben, ohne auf das eine oder das andere beschränkt zu sein. Ein anderer Freund brachte mir „FTX“ als eine Alternative zu „FTM“ bei, das X repräsentiert dabei eine nicht geschlechtsspezifische Identität. Ich fühlte mich wohler eine Option zu haben die mir erlaubte mich sowohl als männlich als auch weiblich zu identifizieren, anstatt gezwungen zu sein eines zu wählen und mich an von der Gesellschaft definierte Standards halten zu müssen.

Während meines letzten JET Jahres hatte ich das Glück jemanden zu treffen, der es mir ermöglichte, mich in meiner Gender Identität in einer Weise wohl zu fühlen, wie ich es vorher nie erlebt hatte. Simon war der Freund eines Freundes, der aus San Francisco zu Besuch war. Wir teilten uns ein Hotelzimmer in Tokio und verbrachten den Großteil der Nacht damit zu reden. Ich war gefesselt, als Simon mir erzählte, dass er sich hauptsächlich von Lesben angezogen fühlte und sich mehr mit Lesben identifizierte als mit homo- oder heterosexuellen Männern, ein „GuyDyke”, obwohl er sich nicht als einen MTF Transsexuellen sah. Zum ersten Mal hatte ich jemanden getroffen, der verstand wie ich fühlte, ohne dass ich mich stundenlang durch unangenehme Erklärungen quälen musste. Er erzählte mir von einer livejournal community für Frauen wie mich, die sich nicht als oft negativ belegte fag hags identifizierten, sondern als “GirlFags”, oder “fagettes” (wie ich mich selbst auch oft bezeichnet hatte). Festzustellen, dass ich nicht alleine war, war der erste Schritt zur Selbstakzeptanz. Ein Teil des Schmerzes des coming out als eine Frau mit einer schwulen Identität kam von der Tatsache, dass romantische Beziehungen mit schwulen Männern nicht wirklich in Aussicht standen. Aber ich erkannte, dass es ein ganzes Spektrum von Männer gab, die zwischen den starren Definitionen von schwul und hetero standen – Meterosexuelle, dutch boys, genderqueers, bi guys, transmen, and GuyDykes, Männer, die an einer queer-gewürzten „Junge-Mädchen“ Beziehung Interesse hatten.

Es würde immer Leute geben, die es nicht verstehen und mich für meine Entscheidungen kritisieren würden, aber es würde auch Leute geben, die es verstehen, akzeptieren und sich mit mir identifizieren würden, und das war alles, was zählte. Es änderte alles, dass ich wusste, dass es irgendwo eine Gemeinschaft gab, die mich so akzeptierte, wie ich war, statt mich in eine Schublade zu pressen, in die ich nicht passte. So seltsam es auch war für drei Jahre in der (relativ) hetero-zentrischen japanischen Gesellschaft zu leben, zwang mich mein selbstauferlegtes Exil dazu, mich von den Regeln der Gesellschaft zu lösen, auf meine eigene, persönliche Wahrheit zu hören und zu lernen mich in meiner unkonventionellen queeren Identität wohlzufühlen.

1 JET = Japan Exchange and Teaching Programme
2 CIR = Co-ordination of International Relations (Koordination internationaler Beziehungen)
3 japanischer Schriftsteller, 1925-1970
4 ein sich überlappendes blaues und pinkes Dreieck sind das Zeichen der Bisexuellen
5 US-amerikanischer Schriftsteller und bisexueller Transmann (von Frau zu Mann)
6 Veranstaltung der bisexuellen Gemeinschaft
7 Anything That Moves ist ein US-amerikanisches BisexuellenMagazin. Der Name „Anything That Moves“ – kurz ATM – bezieht sich auf ein Vorurteil, dass Bisexuelle alles nehmen, dass sich bewegt.
8 ein feministisches Musikfestival für (lesbische) Frauen
9 potlucks = ein Essen, bei dem jeder Gast eine Speise mitbringt
10 Stadtbezirk Tokios, bekannt als „Amüsierviertel“ für Schwule
11 Victor/Victoria, Verwechslungskomödie mit Julie Andrews von 1982

An essay about girlfaggotry

My friend asked me to write an essay for a guide about coming out in Japan (we're I've lived for the past few years) and I was reluctant at first since I was worried about being misunderstood, as I have been so many times...But then I said FUCK IT. So here is my essay about coming out as a girl fag. I'm sure there's stuff in it that may offend some people, just because writing about sex and gender is fraught with peril, but bear in mind that nothing in this easy is intended to be inflammatory, except for the comment about my ex-girlfriend who hopefully will never read this. Please don't post this elsewhere without permission. Thanks!

All names have been changed to protect the innocent.

The summer of 2002, I was living at home, scraping by working two days a week at a corrupt temp agency, and in a hugely dysfunctional love triangle with a guy and a girl. No, I wasn’t one of those bisexuals who had to be involved with both a man and a woman to feel sexually fulfilled, but Lucy was an acquaintance who had made it clear pretty early on that if I wanted to date her lover, I had to date her too. When the reality that I just wasn’t sexually attracted to Lucy reared it’s ugly head, things took a turn for the worse. “Maybe you’re not really into girls,” she said nastily when I broke up with her. Or maybe I just wasn’t into a clingy, insecure girls who collected sexual partners as a way of bolstering their fragile egos.

But then again, it wasn’t like I had a really great track record with lesbian relationships: my first love, an ex speed addict who dumped me so she could take a different girl to prom. Losing my dyke virginity to a woman who said as we were cuddling on her porch: “You shouldn’t have come home with me. For all you know, I could be an axe murderer!” The bulk of my lesbian sex experience consisted of drunken hook-ups with experimental straight girls. Ten years after coming out as bisexual, I was starting to question my sexuality a second time. It seemed so much easier with men, even if it was a challenge convince my boyfriends to let me fuck them up the ass. Maybe Lucy was right after all, maybe I wasn’t as into girls as I thought I was.

And then, like the proverbial knight in shining armor, the JET program called one afternoon and offered me a way out. I’d spent three months on their waiting list, and I had never anticipated that fateful phone call- “can you come to Japan in two weeks?” They didn’t even know where the placement was yet, but I didn’t care. I went shopping for a business suit that afternoon, lured in by the prospect of a regular paycheck and a fresh, drama-free start on life.

When I traded in spiked jewelry and fishnet stockings for pantyhose and pearls (though in reality it was only a month before I started wearing flip flops and jeans to my relatively lax CIR job), there was something else I prepared to relinquish, at least for a while: my queer identity. Having witnessed the well-sequestered and gender-segregated Japanese queer scene in Tokyo during my year long stint as a student at Waseda, I had no illusions of Japan as a queer mecca. Yukio Mishima and Homoerotic rockstars were the exception, not the standard. And I knew that for signing up for JET, I was basically signing myself up for a year or more of heterosexuality-by-default, especially I wound up in the inaka. And after my disastrous relationship with Lucy, I was okay with it.

In my own defense, I was never one of those happy go lucky fashion bisexuals who turn it on or off at the drop of a hat. I was a loud and proud activist for ten years, waving my blue-and-pink triangle flag in the faces of those purist gays who dared accuse me of “straddling the rainbow dildo fence” (as one insensitive gay acquaintance had referred to bisexuality in a poem). I was a devote employee of my college’s Queer Center for two years, raising money to bring Patrick Califia to talk about transgendered activism to a room full of privileged college kids. I had made out with girls AND guys to the hip-hop stylings of Rainbow Flavored Sound System at the annual Fencesitters Ball, I had suffered a weird asymmetrical sunburn after marching in a corset and angel wings with the Anything That Moves contingent of the SF Pride Parade.

And yet, something was off. I felt it every time I went to a queer event and used gender neutral pronouns when talking about my boyfriend. I was out to all of my straight friends about being bi, but I still felt closeted within the queer community. What the hell was wrong with me? I felt SO QUEER, but I liked boys. No, the problem wasn’t that I liked boys, but the fact that I liked boys so much that I wanted to be one. In the eyes of most people, to be queer and female meant being a dyke, or a bi-dyke at the very least. The reality was, I didn’t want to be a dyke at all.

I wanted to be a gay man.

I adored gay men. It wasn’t enough to be a fag hag, I wanted to BE a gay man, and I adopted the term “faggette” to describe my skewed sexuality. I identified with gay men more than I had ever identified with lesbians: (brace yourself for massive potentially offensive generalizations, here) gay men had sex with who they wanted, when they wanted, without folk music and hours of processing emotional issues getting in the way. Gay men smelled good, were well groomed, intelligent, preferred shopping and interior decorating to Michigan’s Womyn Festival and potlucks. I realized that my queer identity had sprung less from an attraction to gay women and more from an attraction to gay men. It all made sense in a historical context: all of my boyfriends had been lanky, long haired bookish types. I remember confessing to my first bisexual boyfriend that I felt attracted to men in a way that a man would, not in a straight-female way. I had a subscription to XY- a magazine for teenage fags in highschool, and even submitted a picture of myself in male drag in the hopes that I could pass and be selected for their reader’s photos page (it didn’t get picked- I made an ugly boy). But there was still one major issue- no matter how much I dug gay men, I was biologically female, very much so, and I had my doubts that gender re-assignment surgery would solve my problems. As much as I envied male bodies, I wasn’t uncomfortable with being a girl. I could always try being straight, but the fact of the matter is most straight men are scared by girls who hide strap-ons under their mini-skirts, and straight men, with their beer and football and privilege didn’t turn me on.

Enough of that segue. How does this all relate to Japan?

Moving to Japan was in some ways an escapist strategy for dealing with my gender angst, but there were benefits as well. I was lucky enough to be placed in a metropolitan area that seemed to $200 hair cuts and excellent fashion sense. And the best part was, they liked girls! (In theory, anyway). Could it be that I could buck the system, get my cake and eat it too?

Unfortunately, this divine scheme was flawed on multiple levels. One, these metrosexuals had an extremely limited shelf life. By the age of 25, most of them had gotten sucked into a life of cheap polyester suits, overtime and alcoholism as salaryman drones at Japanese companies, which was not really so sexy. Two, most of these men accustomed to 90 pound Japanese girls who hide their teeth when they giggle, and were scared of loudmouth big butt foreign women. Three, although these boys cultivated the an appealing androgynous façade, most of them still had straight boy personalities indoctrinated with sexist bullshit and expected their girlfriends to make them tea and take the passive role during sex, which put a damper on my fantasies.

I indulged in occasional short term flings with Japanese men, but mostly I was single. I spent a lot of time alone, thinking. I wrote a book where the protagonist was an 18 year old androgyne who considered himself to be heterosexual, even though his only sexual experience had been with another male. The book focused on his friendship, and later romance, with his best friend, who was a lesbian. This character represented both my alter-ego and my masculine ideal. My intention had been to create a queer version of boy-meets-girl scenario.

I had been isolated from any kind of queer scene for almost two years when I attended the Stonewall Japan meeting as a Tokyo Orientation Assistant in 2004. I was surprised by how good it felt to be surrounded by the queer community again. As the only woman who knew her way around Shinjuku’s Nichome gay ghetto, I volunteered to take the female newbies to Kinswomyn, Tokyo’s most famous lesbian bar. And then my anxiety kicked. Surrounded by certified Grade-A lesbians who bragged about how they had “never touched a dick in their life”, I felt very insecure all of a sudden. Not only had a touched dozens of dicks, I had dick-envy! It didn’t matter that I had dated girls in the past- I felt horribly out of place in the lesbian scene, not a true dyke, not the token straight girl, but something else together. My gender dysphoria was forced into the spotlight again. If the gay bars in Shinjuku barred entrance to female bodied people, where the hell did I belong anyway?

In the weeks following the dyke bar disaster, I began to wonder if maybe I really was trans. I was about least likely to be voted “future female to male transsexual” by the highschool year book (that honor went to the first girl I ever kissed, whose since had chest surgery and changed hir name to Bob). I mean come on, I was so femme that I could be mistake for a drag queen on a good night out, with my fake eyelashes, platinum blonde hair and neon pink lipstick…Wait a minute- maybe I AM a drag queen? I feel a Victor Victoria complex coming on…

I worried that I wouldn’t be taken seriously if I came out as a femme FTM. Even if a felt like a guy at times, I felt like a girly guy, not a butch guy. Most of the MTFs I met cultivated big muscles and facial hair in order to look as butch as possible. The men I was most attracted to wore skirts and eyeliner, so why couldn’t I? And there was the fact that even if I did change my gender, there was no guarantee I would be accepted in the gay male community as a male equal.

I tried talking about my gender dysphoria to a few of my friends, and often came away feeling more confused. I had a hard time explaining to anyone how I felt because even I didn’t understand it. My gender identity was as nuanced and surreal as a Dali painting, and there was no clear cut label to explain how I felt. I felt tremendously vulnerable and insecure after one straight female friend callously asked me “Why does this even matter?” and a dyke friend suggested that my desire to be male was based on stereotypical notions of what it meant to be a gay man. This sort of response only added to me feeling of being excluded and misunderstood.

But fortunately, I had friends who did understand. Interesting enough, my gay male friends were sometimes the only ones to hear me out and offer a positive response. One of my best friends back home, a butch bisexual boi-dyke, had become engaged a bi guy who also identified as a male bodied butch lesbian. He had been thrown out of what was supposed to be a “trans-friendly” women’s event because he appeared “too male”. Gay men in the castro would flirt with her “wifedaddy” (as she called him) in front of her, assuming she was a dyke, and make catty remarks when she asserted herself as his partner. It shocked me how the queer community, which had been founded through the bonds of common oppression, would be so quick to exclude those who could not conform to such a narrowly defined label of queer.

My friend back home defined herself as “Gender fluid”, a term that implied the freedom to express both male and female traits without being locked into one or the other. Another friend taught me “FTX” as an alternative to “FTM”, X representing a non-gendered identity. I felt more comfortable having an option that allowed me to identify as both male and female, instead of being forced to pick one and conform to a set of socially-defined standards.

During my last year on JET, I was fortunate enough to meet someone who enabled me to feel comfortable in my gender identity in a way I had never felt before. Simon was a friend of a friend visiting from San Francisco. We shared a hotel room in Tokyo and spent most of the night talking. I was compelled when Simon told me that he was primarily attracted to lesbians and identified with lesbians more than gay or straight men, as a “guy dyke”, even though he didn’t consider himself to be an mtf transsexual. For the first time I had met someone who understood how I felt without me stumbled over hours of awkward explanations. He told me a livejournal community for women like me, who identified not as oft-maligned fag hags, but as “girl fags”, or “faggettes” (as I had often referred to myself). Learning that I was not alone was the first step to accepting myself. Part of the pain of coming out as a woman with a gay male identity was the reality that gay men were not an actual romantic prospect. But I realized there was an entire of spectrum of men between the rigid definitions gay and straight- metrosexuals, dutch boys, genderqueers, bi guys, transmen, and guy dykes, men who were interested in queer flavored “boy-girl” relationships.

There would always be people who wouldn’t understand and criticise me for my choices, but there would also be people who would understand, accept and identify with me, and that’s all that mattered. It made all the difference for me to know that there was a community somewhere that would accept me as I was instead of shoehorning me into a label that didn’t fit. As strange as it was to live in the (relatively) hetero-centric Japanese society for three years, my self-imposed exile forced me to take a step back society’s rules, listen to my own personal truth, and learn to be comfortable in my unconventional queer identity."