Übersetzung von midian. DANKE!
Englischer Originaltext unten.

Original english text below!

Wanted_a_pony (Livejournal username), thanks a lot!

Und nicht nur “süße schwule Jungs” – die bisexuellen/schwulen Männer, zu denen ich mich hingezogen fühle, sind älter (ich bin 48) und entsprechen nicht dem was normalerweise für süß oder gut-gebaut oder was-weiß-ich gehalten wird. Ich fühle mich zu ihnen hingezogen, weil sie (1) „mein Typ“ sind [belesen, intelligent, freundlich, usw.], (2) Erwachsene sind, die sich als männlich identifizieren [meisten, aber nicht immer biologische Männer] und (3) in der Lage sind eine sexuelle Beziehung zu einem anderen Mann zu führen [z.B. schwul]. Wie genau sie schwul sind, was sie denken, was es bedeutet schwul oder bi zu sein, kann variieren.

Wenn das zu schwammig klingt, liegt das daran, dass Jahrzehnte mich gelehrt haben, dass es zu den Definitionen die wir anzuwenden versuchen, genauso viele Ausnahmen wie Regeln gibt. Ich nehme mich selbst als Beispiel. Als ich mitten im Teenageralter war, dachte ich, dass ich lesbisch sei, meine erste Liebe war ein Mädchen und ich liebte Frauen aus tiefstem Herzen. Dennoch war ich immer bereit männliche Liebhaber in Betracht zu ziehen, da es so eben viel einfacher war den Anforderungen der Gesellschaft zu entsprechen, und da ich sie wirklich aufregend, wenn auch mysteriös, fand. So kam es, dass ich mit 21 Jahren mit einem Mann verheiratet war, mindestens teilweise aus dem Grund, dass er aktiv bi war und es mochte, dass ich es auch war. Während unserer Ehe fing ich an meine Zeit mit einem sehr guten Freund zu verbringen, der ein sehr schwuler Mann war [nach Kinsey ungefähr eine 5]1, und nach meiner Scheidung liebte ich es mit ihm „boy watching“ (Jungs beobachten) zu betreiben und mich allgemein in ihn und seine Freunde zu verknallen. Ich mache Witze darüber, dass mein schwuler Freund mich zu einem Hetero gemacht hat: weitere romantische Beziehungen mit Männern folgten und ich begann zu denken, dass ich mich einfach für eine hauptsächlich heterosexuelle Identität entscheiden sollte.

Vor ungefähr 10 Jahren, nachdem ich mich meinem jetzigen Ehemann hingegeben hatte, hatten wir beide medizinische und psychologische Probleme, die unser Sexleben ernsthaft aus der Bahn brachten. Es ging soweit, dass ich anfing, mein Grundverlangen neu unter die Lupe zu nehmen. Ich entdeckte, dass ich mich immer noch mehr homo- als heterosexuell „fühlte“, aber dass ich sexuell an den meisten Frauen nicht interessiert war. Ich fand Männer immer noch aufregend und ich verbrachte meine Zeit immer noch gerne mit den schwulen Jungs. Was ich wirklich wollte, war einer dieser Jungs zu sein. Ich fühlte mich wie ein schwuler Mann im Körper einer Frau. Wenn ich nicht wirklich sehr verliebt in meinen ziemlich-hoffnungslos-heterosexuellen Ehemann wäre und wenn eine komplette anatomische Umwandlung von Frau zu Mann nicht außerhalb meiner Reichweite wäre, dann würde ich alles dafür geben einen männlichen Körper zu bekommen und dann würde ich mich mit Männern verabreden.

Ironischerweise ist mir der Begriff GirlFag das erste Mal vor zwei Monaten begegnet. Ich habe 47 Jahre gebraucht, um an den Punkt zu gelangen, an dem ich erkennen konnte, sobald ich den Begriff las: „Oh, das ist eine gute Zusammenfassung von dem, was ich fühle.“ Es ist nur ein kurzes Wort, dass zu Missverständnissen und unterschiedlichen Definitionen führen kann. Ich denke, dass ich mich weiter entwickeln werde; in drei Jahren identifiziere ich mich vielleicht als hauptsächlich-etwas-anderes. Es überrascht mich nicht, wenn andere Leute es nicht verstehen, da ich selbst so lange gebraucht habe. Es überrascht mich nicht, wenn andere versuchen mich anders zu definieren, da ich mich selbst fast mein ganzes Leben lang anders definiert habe. Das heißt nicht, dass sie automatisch recht haben, aber alles was ich tun kann, ist zu versuchen mir bewusst zu machen, wie ich fühle und zu versuchen mich authentisch zu erklären, darzustellen und zu erleben.

Mal ganz im Ernst, wenn man mit den Schwierigkeiten der menschlichen Psychologie und den Erfahrungen anfängt, die Sprachbarriere, die Erwartungen der Gesellschaft und die ganzen anderen Dingen dazunimmt, aus denen sich unser Verständnis über Sex und sexuelle Identität zusammensetzt, dann ist es ein Wunder, dass wir überhaupt jemals verstehen, über was andere Leute sprechen! Man muss es einfach versuchen und dabei im Hinterkopf behalten, dass es Menschen gibt, die nicht überzeugt werden können, oder die nicht akzeptieren werden, was du sagen willst. Und dann musst du entscheiden, ob du eine andere Taktik versuchst, oder ob du aufgibst und weiterziehst. Ich hoffe, dass ihr Menschen findet, die zuhören und die froh darüber sind, wer ihr seid!

1 Alfred Charles Kinsey (1894-1956), amerikanischer Biologe und Sexualforscher. Er erstellte eine Skala von 0-6, mit der er die sexuelle Orientierung einordnete: 0 – ausschließlich heterosexuell1 – Überwiegend heterosexuell, nur gelegentlich homosexuell2 – Überwiegend heterosexuell, aber mehr als gelegentlich homosexuell3 – Gleichermaßen heterosexuell wie homosexuell4 – Überwiegend homosexuell, aber mehr als gelegentlich heterosexuell5 – Überwiegend homosexuell, nur gelegentlich heterosexuell6 – Ausschließlich homosexuellX – Asexuell


Well, and not just "cute gay boys"--the RL bi/gay men I'm attracted to are older (I'm 48) and not usually what society considers cute or hunky or what-have-you. I'm attracted to them because they're (1) "my type" [literate, smart, kind, etc.], (2) adults who identify as male [usually but not always "outies"] and (3) able to establish a sexual relationship with another man [e.g., gay]. How they are gay, what they think it means to be gay or bi, can vary.

If that seems too fuzzy, it's because decades have taught me that there are as many exceptions as there are rules to the definitions we try to use. I use myself as an example. I thought by mid-teenagehood I was gay, my first lover was a girl & I loved women deeply. I was always ready to consider male lovers, though, since it was just so much easier to follow society's expectations & since I really did find them exciting, if mysterious. I ended up married at 21 to a fellow, at least partly because he was actively bi & liked that I was too. While I was married I began to hang with a best friend who was a very gay male [about a Kinsey 5], & after my divorce I loved to go "boy watching" with him & generally crush on him & his friends. I joke that my gay friend "turned me straight": other romantic relationships with men followed & I began to think I should just settle for a mainly heterosexual identity.

About 10 years ago, after I'd committed to my current husband, we both had medical & psychological issues that seriously derailed our sex life to the point where I began to reexamine my basic desires. I discovered I still "felt" more gay than straight, but I wasn't sexually interested in most women. I still found men exciting, & I still loved hanging out with gay guys. What I really wanted to be was one of those guys. I felt like a gay guy in a woman's body. If I wasn't majorly in love with my pretty-hopelessly-heterosexual husband, & if anatomically-complete F2M procedures weren't out of my reach, I would do my damnedest to transition to a male body & then date men.

Ironically I first encountered the word girlfag about 2 months ago. I've spent 47 years getting to the point of recognizing, as soon as I read it, "Oh, that's a good summary of what I'm feeling." It's just a shorthand, subject to misunderstanding & differences of definition. I imagine I'll continue to evolve; perhaps I'll identify as primarily-something-else a year or 3 from now. I'm not surprised other people can't figure it out, when it took me so long. I'm not surprised when others try to define me differently, when I defined myself differently for most of my life. It doesn't make them right, necessarily, but all I can do is try to stay aware of how I feel & try to explain/present/experience myself authentically.

Really, when you start with the difficulties of human psychology & experiences, & add language confusions & societal expectations & all the other stuff that makes up our ideas about sex & sexual identity, it's a wonder we ever figure out what other people are talking about! You just have to try, & keep in mind that some people just can't be convinced or won't accept what you want to say, & then you have to decide whether to try a different tack or give it up & move on. I hope you find folks who hear & are glad about who you are!